Gehaltsvorstellung in der Bewerbung: Selbstreflektion und richtig formulieren
- Gunnar Doehring

- 19. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

„Bitte nennen Sie uns Ihre Gehaltsvorstellung.“ – Dieser eine Satz am Ende einer Stellenausschreibung löst bei vielen Bewerbern Schweißausbrüche aus. Ist die Zahl zu hoch, bist du raus. Ist sie zu niedrig, verkaufst du dich unter Wert.
Die Angst, wegen einer falschen Zahl sofort eine Absage zu kassieren, ist oft real. Doch keine Sorge: Die Gehaltsangabe ist keine Falle, sondern der erste Schritt einer geschäftlichen Verhandlung. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du deinen "Marktwert" realistisch einschätzt, Selbstreflektion nutzt und die Zahl so formulierst, dass deine Bewerbung nicht auf dem „Absage“-Stapel landet.
Warum fragen Unternehmen überhaupt danach?
Bevor wir zur Zahl kommen, müssen wir verstehen, warum diese Frage gestellt wird. Personalverantwortliche wollen damit vor allem eines: Effizienz.
Wenn ein Unternehmen ein Budget von 45.000 € für eine Stelle hat, der Bewerber aber 80.000 € fordert, passen beide Parteien schlicht nicht zusammen. Da ändern auch all deine Qualifikationen und Erfahrungen nichts dran. Die Angabe dient als Filter, um sicherzustellen, dass du und das Unternehmen euch im gleichen „Universum“ bewegen. Dein Ziel ist es also nicht, den exakten Cent-Betrag zu treffen, sondern zu signalisieren: „Ich kenne meinen Marktwert und er passt zu dieser Position.“
Schritt 1: Recherche – Die Basis für Realismus
Niemand sollte eine Gehaltsvorstellung „aus dem Bauch heraus“ nennen. Eine fundierte Recherche ist deine Versicherung gegen unrealistische Forderungen.
Vergleichsportale nutzen: Seiten wie lohnspiegel.de, Glassdoor oder Gehalt.de liefern solide Richtwerte für fast alle Berufe.
Region und Branche beachten: Ein Marketing-Manager in München verdient anders als in Schwerin. Ein Mittelständler zahlt anders als ein Konzern. Berücksichtige diese Faktoren bei deiner Recherche.
Tarifverträge prüfen: Gibt es für deine Branche Tarifverträge (z. B. TVöD, IG Metall)? Diese sind öffentlich einsehbar und geben oft den exakten Rahmen vor.
Schritt 2: Selbstreflektion – Was bringst du wirklich mit?
Hier scheitern viele Bewerber. Sie schauen nur auf den Jobtitel, aber nicht auf sich selbst. Eine realistische Gehaltsvorstellung erfordert ehrliche Selbstreflektion. Stelle dir folgende Fragen:
Erfahrungsschatz: Bin ich Berufseinsteiger oder habe ich bereits 10 Jahre Erfahrung in genau diesem Bereich?
Spezialwissen: Bringe ich seltene Zusatzqualifikationen, Zertifikate oder Sprachkenntnisse mit, die für die Stelle entscheidend sind?
Verantwortung: Habe ich in früheren Jobs bereits Personal- oder Budgetverantwortung getragen?
Mehrwert: Welches konkrete Problem löse ich für das Unternehmen, das ein günstigerer Kandidat vielleicht nicht lösen kann?
Freunde und Bekannte: Hast du Freunde oder Bekannte in ähnlichen Positionen? Kannst du ehemalige Kommilitonen oder Klassenkameraden aus der Berufsschule fragen?
Tipp: Wenn du alle Anforderungen der Stelle zu 100 % erfüllst und „on top“ noch Zusatzqualifikationen mitbringst, orientiere dich am oberen Ende der üblichen Marktspanne. Bist du Quereinsteiger, bleibe eher im unteren Drittel, aber verkaufe dich nicht als „billiger Jakob“.
Schritt 3: Die Formulierung – Klartext statt Konjunktiv
Wie verpackst du die Zahl nun im Anschreiben? Wichtig ist: Nenne immer das Brutto-Jahresgehalt (mit dem Zusatz ca. - das signalisiert Verhandlungsbereitschaft).
Monatliche Angaben oder Netto-Wünsche wirken unprofessionell. Schreibe bestenfalls nur einen Satz. Vermeide Formulierungen wie "bei 12 Gehältern", "zzgl. Weihnachts- und Urlaubsgeld" usw..
Gebe keine Gehaltsspanne ein. Auch wenn manche "Ratgeber" noch meinen, das dies Verhandlungsbereitschaft deinerseits signalisiert, ist das aus meiner Erfahrung nach Unsinn. Denn warum sollte der Personalverantwortliche sich an deiner oberen Zahl orientieren, wenn du doch schon signalisiert hast, auch für weniger zu arbeiten..?
Hier ist eine bewährte Formulierung, die selbstbewusst, aber nicht arrogant wirkt (diese bleiben im formellen „Sie“, da du das Unternehmen ja siezt):
„Meine Gehaltsvorstellung liegt bei ca. 60.000 € p. a.“
Die 3 größten Fehler, die du vermeiden musst
Die Frage ignorieren: Wenn in der Stellenanzeige explizit nach dem Gehalt gefragt wird, musst du eine Angabe machen. Fehlt sie, wirkt das, als hättest du die Anzeige nicht richtig gelesen oder du wirst als entscheidungsschwach angesehen.
Krumme Zahlen: Nenne keine krummen Beträge. Runde auf glatte Tausender oder Fünfhunderter (z. B. 46.500 €). Das wirkt souveräner.
Brutto und Netto verwechseln: In Deutschland verhandeln wir immer Brutto.
Fazit: Mut zur Zahl
Eine realistische Gehaltsangabe ist das Ergebnis aus Marktrecherche, Reflektion und Selbstwertgefühl. Wer weiß, was er kann und was der Markt zahlt, muss keine Angst vor einer Absage haben. Im Gegenteil: Eine passende (realistische!) Gehaltsforderung unterstreicht deine Professionalität und zeigt, dass du dich mit der Branche und der Position auseinandergesetzt hast.
Unsicher bei der Einschätzung? Ich unterstütze dich!
Oft höre ich von meinen Kunden, dass es ihnen schwer fällt, den eigenen Marktwert objektiv zu beurteilen. Liege ich zu hoch und wirke arrogant? Oder zu niedrig und wirke unsicher?
Als erfahrener Bewerbungscoach helfe ich dir dabei, genau diesen „Sweet Spot“ zu finden. Gemeinsam analysieren wir deinen Werdegang, schärfen dein Profil und formulieren eine Bewerbung, die nicht nur überzeugt, sondern dir auch das Gehalt sichert, das du verdienst.
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