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Stärken und Schwächen im Vorstellungsgespräch: Der ultimative Guide für deine Antwort

  • Autorenbild: Gunnar Doehring
    Gunnar Doehring
  • 8. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Dez. 2025



Es ist der Moment, vor dem fast jeder Bewerber zurückschreckt. Das Gespräch läuft gut, die Atmosphäre ist entspannt, und dann kommt sie – die Frage aller Fragen:

„Was sind eigentlich Ihre Stärken und Schwächen?“


Sofort rasen Gedanken durch den Kopf: Soll ich ehrlich sein? Klingt „Ich bin perfektionistisch“ zu arrogant oder zu klischeehaft?

Keine Sorge. In diesem Beitrag klären wir, ob diese Frage überhaupt noch zeitgemäß ist, was Personaler wirklich hören wollen und wie du mit authentischen, klugen Antworten punktest.


1. Ist die Frage noch aktuell?

Ja und Nein. Die klassische Aufforderung „Nennen Sie mir drei Stärken und drei Schwächen“ stirbt langsam aus. Moderne Recruiter wissen, dass sie darauf oft einstudierte Standardantworten bekommen. Trotzdem höre ich von vielen meiner Kunden im Nachgang des Trainings zu ihrem Vorstellungsgespräch, dass die Frage vom Personaler doch noch öfters auf den Tisch kam.

Denn der Kern der Frage ist aktueller denn je. Sie kommt heute ab und an nur in einem neuen Gewand daher. Statt der direkten Frage hörst du vielleicht:

  • „Was würde Ihr letzter Chef als Ihren größten Entwicklungsbedarf bezeichnen?“

  • „Auf welchen beruflichen Erfolg sind Sie besonders stolz?“

  • „In welchen Situationen fühlen Sie sich bei der Arbeit unwohl?“

Das Ziel bleibt dasselbe, aber die Verpackung ist subtiler.


2. Der Recruiter-Code: Was wollen sie wirklich wissen?

Wenn ein Recruiter nach Schwächen fragt, sucht er nicht nach Gründen, dich abzulehnen. Er sucht nach Selbstreflexion.

Das läuft im Kopf des Recruiters ab:

  1. Selbstwahrnehmung: Kann der Bewerber sich selbst realistisch einschätzen?

  2. Lernbereitschaft: Geht der Bewerber aktiv gegen Defizite vor oder ruht er sich darauf aus?

  3. Team-Fit: Passt die Persönlichkeit ins bestehende Team?

  4. Ehrlichkeit: Traut sich der Bewerber, offen zu sein, ohne sich zu verstellen?

Wichtig: Niemand sucht den perfekten Mitarbeiter. Ein Mitarbeiter, der seine Fehler kennt und managt, ist wertvoller als einer, der behauptet, keine zu haben.

3. Die Strategie für deine Stärken: „Show, don’t tell“

Der größte Fehler bei Stärken? Eine bloße Aufzählung von Adjektiven („Ich bin teamfähig, belastbar und kreativ“). Das behauptet jeder. Und es wirkt auswendig gelernt.

Nutze stattdessen die Kontext-Methode: Nenne die Stärke und verknüpfe sie sofort mit einem konkreten Beispiel oder einem Nutzen für das neue Unternehmen.

Beispiel-Formel: Eigenschaft + Situation aus der Vergangenheit + Resultat.


Konkrete Beispiele für Stärken:

Statt nur zu sagen...

Sage lieber... (Beispiel)

„Ich bin organisiert.“

„Ich behalte auch in stressigen Phasen den Überblick. In meinem letzten Projekt habe ich durch die Einführung von Trello-Boards die Deadline-Einhaltung im Team um knapp 20% verbessert.“

„Ich bin kommunikativ.“

„Mir liegt es, zwischen verschiedenen Parteien zu vermitteln. Wenn es Missverständnisse zwischen Vertrieb und Marketing gab, konnte ich diese oft durch moderierte Gespräche klären.“

„Ich bin lernbereit.“

„Ich arbeite mich sehr schnell in neue Themen ein. Für meinen letzten Job habe ich mir innerhalb von zwei Wochen die Grundlagen von SAP selbst beigebracht, um direkt loslegen zu können.“

Weitere mögliche Stärken:

Schnelle Auffassungsgabe / Lernbereitschaft, Analytisches Denken, Teamfähigkeit, Kreativität, Kundenorientierung, Stressresistenz, Empathie, Entscheidungsfreude.


4. Die Strategie für deine Schwächen: Sei ehrlich, aber smart

Hier scheitern die meisten. Bitte streiche Sätze wie „Ich arbeite zu viel“ oder „Ich bin zu perfektionistisch“ aus deinem Gedächtnis. Das sind „getarnte Stärken“ (Humble Brags), die jeder Recruiter sofort durchschaut. Es wirkt unaufrichtig.

Die goldene Regel: Nenne eine echte Schwäche, aber erkläre sofort, wie du damit umgehst (Lösungsansatz). Die Schwäche darf keine Kernkompetenz des Jobs sein (als Buchhalter solltest du keine Schwäche im Umgang mit Zahlen haben ;-)).


Konkrete Beispiele für Schwächen:

Beispiel 1: Ungeduld (Der Klassiker, aber richtig verpackt)

  • Die Schwäche: „Wenn Projekte ins Stocken geraten, werde ich manchmal ungeduldig, weil ich Ergebnisse sehen will.“

  • Der Lösungsansatz: „Ich habe aber gelernt, dass Qualität Zeit braucht. Ich setze mir jetzt bewusste Meilensteine und erinnere mich daran, dass das Team unterschiedliche Tempi hat. Das hilft mir, fokussiert zu bleiben, ohne Druck aufzubauen.“

Beispiel 2: Präsentieren vor großen Gruppen

  • Die Schwäche: „Ich bin immer noch nervös, wenn ich vor einer sehr großen Gruppe präsentieren muss.“

  • Der Lösungsansatz: „Deshalb bereite ich mich auf solche Termine besonders intensiv vor und habe letzten Monat einen Rhetorik-Workshop besucht. Im kleinen Team klappt es mittlerweile schon sehr gut.“

Beispiel 3: Nein sagen / Abgrenzung

  • Die Schwäche: „Es fällt mir manchmal schwer, ‚Nein‘ zu sagen, wenn Kollegen um Hilfe bitten, wodurch mein eigener Zeitplan eng wird.“

  • Der Lösungsansatz: „Ich nutze jetzt ein Priorisierungs-Tool. Bevor ich zusage, prüfe ich meine Kapazitäten. Wenn es nicht geht, biete ich an, zu einem späteren Zeitpunkt zu helfen.“


5. Wie gehe ich mit Nachfragen um?

Manchmal bohren Recruiter nach. Das ist kein schlechtes Zeichen, sondern ein Stresstest.

  • Szenario: „Können Sie mir dafür ein ganz konkretes Beispiel geben?“

    • Reaktion: Bleib ruhig. Greife auf Situationen zurück, die du vorbereitet hast (siehe oben). Es ist okay, kurz nachzudenken: „Gerne, lassen Sie mich kurz überlegen... ja, da gab es eine Situation im letzten Quartal...“

  • Szenario: „Glauben Sie nicht, dass diese Schwäche Sie hier behindern wird?“

    • Reaktion: Verteidige dich nicht aggressiv, sondern konstruktiv. „Ich verstehe den Einwand. Aber wie erwähnt, habe ich Strategien entwickelt, damit das meine Arbeitsqualität nicht beeinflusst. Zudem ist meine [Stärke X] ein guter Ausgleich dafür.“

Fazit: Sei du selbst, aber sei vorbereitet

Die Frage nach Stärken und Schwächen ist keine Falle, sondern deine Chance, Persönlichkeit zu zeigen. Ein Bewerber, der sagt: „Ich bin nicht gut in Excel, aber ich mache gerade einen Kurs“, ist einem Recruiter oft lieber als einer, der behauptet, alles zu können.


Du willst noch mehr wissen? Dann schaue dir mein Training fürs Vorstellungsgespräch an.

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