Warum ChatGPT und Co. dein Bewerbungsschreiben ruinieren
- Gunnar Doehring

- 15. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Jan.

Es ist verlockend, oder? Ein paar Stichpunkte in die Eingabemaske tippen, Enter drücken und zehn Sekunden später spuckt die KI ein perfekt formuliertes, fehlerfreies Anschreiben aus. Struktur: top. Grammatik: makellos. Aufwand: minimal.
Doch genau hier liegt das Problem. Wenn du glaubst, du hättest dir damit einen Vorteil verschafft, muss ich dich enttäuschen. Aus meiner langjährigen Erfahrung sage ich dir: Du hast dir gerade die größte Chance des gesamten Bewerbungsprozesses verbaut.
Warum du die Finger von KI-generierten Anschreiben lassen solltest und warum der vermeintlich „leichte Weg“ oft in die Sackgasse führt, erfährst du hier.
Personaler haben einen Radar für KI-Texte
Unterschätze niemals dein Gegenüber. Erfahrene Recruiter und Personaler lesen Hunderte Bewerbungen. Sie entwickeln ein Gespür für Authentizität. Ein Text aus der Feder von ChatGPT ist zweifellos „gut geschrieben“, aber er klingt oft glattgebügelt, emotionslos und folgt einem offensichtlichen Schema F.
Es wimmelt von ausgelutschten Formulierungen und Phrasen, die zwar professionell klingen, aber nichts aussagen. Der Text hat keinen echten Bezug zu dir als Person, deiner Erfahrung & deinen Qualifikationen und – noch schlimmer – keinen echten Bezug zur spezifischen Stellenanzeige. Personaler entlarven diese Texte schnell. Das Urteil und Ergebnis: Papierkorb und Absage.
Die Chance auf deine Persönlichkeit ist vertan
Das Anschreiben hat eine einzige, mächtige Aufgabe: Es soll den Mehrwert bieten, den der Lebenslauf nicht liefern kann. Es soll der Türöffner für die Einladung zum persönlichen Kennenlernen sein. Der Lebenslauf zeigt deine Stationen - das Anschreiben zeigt deine Motivation, deine Persönlichkeit und deine Verbindung zum Unternehmen.
Ein KI-Text kaut oft nur den Lebenslauf in ganzen Sätzen wieder. Er bietet keinen Mehrwert.
Wo ist deine persönliche Note?
Wo ist die individuelle Geschichte, die erklärt, warum du genau diesen Job willst?
Wo ist die Leidenschaft zwischen den Zeilen?
Eine KI kann simulieren, aber sie kann nicht fühlen. Wenn du das Schreiben an ChatGPT delegierst, wird dein Anschreiben zu einer leeren Hülle.
Soll wirklich ein Algorithmus über deine Karriere entscheiden?
Stell dir diese Frage ganz ernsthaft: Möchtest du ernsthaft, dass eine statistische Wahrscheinlichkeitsrechnung darüber bestimmt, wie du dich deinem zukünftigen Arbeitgeber präsentierst?
Ein Algorithmus kennt deine Träume nicht. Er kennt deine Werte nicht. Er weiß nicht, was dich nachts wach hält oder was dich morgens antreibt. Wenn du die Hoheit über deine Worte an die KI abgibst, gibst du ein Stück weit die Kontrolle über deine berufliche Zukunft ab. Deine Karriere ist zu wichtig für „Copy & Paste“.
Der wahre Schlüssel zum Erfolg: Klarheit durch Selbstreflexion
Hier kommen wir zum wichtigsten Punkt, den viele Bewerber übersehen: Das Schreiben ist Teil des Prozesses bei deiner Bewerbung.
Ein wirklich überzeugendes Anschreiben entsteht nicht durch das Aneinanderreihen von Floskeln. Es entsteht durch Selbstreflexion. Du musst dich hinsetzen und dir über deinen eigenen beruflichen Weg bewusst werden:
Was ist mir für den nächsten Schritt im Beruf wirklich wichtig?
Was bringe ich mit, das diesem speziellen Arbeitgeber hilft?
Warum will ich genau dorthin?
Diese Fragen kann dir keine KI beantworten. Aber genau in den Antworten auf diese Fragen liegt das Gold für deine Bewerbung.
Der Transfer dieser persönlichen Erkenntnisse in deine Bewerbungsunterlagen ist der wahre Schlüssel zum Erfolg. Wenn du diesen inneren Prozess überspringst, weil die KI es bequemer macht, fehlt dir im Vorstellungsgespräch oft die Tiefe und die Überzeugungskraft. Wer sich die Mühe macht, selbst zu formulieren, hat sich intensiv mit der Stelle auseinandergesetzt – und das spürt man in jedem Satz. Im Bewerbungsschreiben und, noch viel wichtiger, im späteren Vorstellungsgespräch.
Auch ChatGPT selbst rät von KI Anschreiben ab
Ich habe ChatGPT selbst folgende Frage gestellt.
Schau selbst, was dabei herausgekommen ist ;)
Warum sollte ich selber ein Bewerbungsschreiben erstellen und nicht von ChatGPT schreiben lassen?
Gute Frage – und sehr aktuell 🙂Kurz gesagt: ChatGPT kann helfen, aber ein Bewerbungsschreiben wirkt am stärksten, wenn es wirklich von dir kommt. Die wichtigsten Gründe:
Personaler lesen viele Bewerbungen.Selbst geschriebene Anschreiben:
klingen echter
spiegeln deine Wortwahl, Haltung und Motivation wider
wirken weniger „austauschbar“
Texte von KI erkennt man oft an:
sehr glatten Formulierungen
allgemeinen Aussagen („teamfähig, motiviert, belastbar“)
fehlender persönlicher Note
Nur du weißt wirklich:
warum genau dieses Unternehmen
warum diese Stelle
warum jetzt
KI kann das nur raten oder verallgemeinern – das merkt man...
Fazit: Nutze deinen eigenen Kopf
Bewerbungsschreiben mit ChatGPT und Co. sind strukturell solide, aber inhaltlich seelenlos. Sie sind der schnelle Weg zur Absage.
Nimm dir die Zeit. Finde deine eigenen Worte. Formuliere deine Ziele und deine Motivation selbst. Ein Anschreiben mit Ecken, Kanten und echter Persönlichkeit wird immer wertvoller sein als der perfekteste Text aus der Retorte.
Du musst diesen Weg der Selbstreflexion jedoch nicht alleine gehen. Wenn du dich schwer tust und du lernen willst, wie du diese persönliche Klarheit gewinnst und sie in Worte fasst, die wirklich zünden, unterstütze ich dich gerne dabei. Gemeinsam erstellen wir ein Anschreiben, das nicht nach Maschine klingt, sondern nach dir.
Hol dir professionelle Unterstützung für dein individuelles Anschreiben:




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